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Nebenschauplatz: Die POST

Es gibt Änderungen, die man als zeitgemäss betrachten kann oder muss. Es gibt auch Änderungen, die einzig dazu dienen, den ohnehin schon aufgeblasenen Staatsapparat mit zusätzlichem Einkommen auszustatten.

Wenn ein Staat aus Gründen des eigenen Profits Systeme aushöhlt und zum Einsturz bringt, die volkswirtschaftlich höchst relevant sind (wie die POST) - und wenn dabei die Umwelt zunehmend unnötig belastet wird, dann ist lange Zeit was schief gelaufen.

Seit ungezählten Jahren baut die POST Dienstleistungen ab. Die Postkunden haben Alarm geschlagen und wurden belächelt und beschwichtigt. Beschwichtigung ist auch ein Zeichen von Inkompetenz.

Beispiel Nr 1:

Wir geben in Beggingen ein Prio-Paket dem Hausservice mit. Es steht seit dem Morgen zur Abholung bereit. Der Hausservice holt das Paket ab. Am nächsten Tag wird es nicht zugestellt. Ein Blick in die Sendungsverfolgung offenbart Folgendes:

Eine Beschwerde bei der Post ergab:

"Die Zustellboten nehmen die Pakete jeweils auf ihre Tour mit. Sie bringen sie anschliessend zur Postfiliale. Die Annahmefrist für A-Post Pakete ist bis 12 Uhr. Deshalb kann leider eine Zustellung am nächsten Arbeitstag nicht garantiert werden."

Ja, was macht man nun als Postkunde einer Ortschaft, in der es keine Post mehr gibt? Das A-Paket, das man ordnungsgemäss dem Hausservice mitgibt, kann gar nicht am nächsten Tag zugestellt werden, weil die POST die Tour zu einer absolut minimalistischen Spartour degradiert hat (E+2): Die Tour des Hausservices ist vor Ort erst weit nach Mittag fertig. Was hatte man uns doch damals bei der Schliessung der Poststelle nicht alles versprochen. Heute bezahlen wir A, bekommen B. Auch der abendliche Briefabgang findet öfters zu früh, zu spät oder gar nicht statt. Wir wehren uns dagegen, dass Randregionen immer mehr Apparatschik zwangsfinanzieren müssen.

Hier die 'Lösung':

"Falls eine sehr dringende Sendung am nächsten Tag zugestellt werden sollte, empfehle ich Ihnen einen Besuch in einer Filiale mit Partner. Wenn Sie per Zufall abends in Schaffhausen unterwegs sind, gibt es neu auf der Breite beim Restaurant zum alten Schützenhaus ein MyPost24 Automat wo man rund um die Uhr Pakete aufgeben kann."

Voilà: Die Schaffhauser Landbevölkerung und deren KMU können ihre Prio-Pakete gefälligst selber zufällig einliefern. Notfalls fährt man dafür in die Kantonshauptstadt (Annahmeschluss 16 Uhr). Die Frankatur wird dadurch nicht günstiger, obwohl die POST eine ganze Ecke gespart hat.

Damit kommen wir zu

Beispiel Nr 2:

Angeblich geht demnächste die Welt unter wegen zuviel CO₂. Da müssen die Menschen sich eben einen Schubs geben und weniger CO₂ produzieren. Das Ziel kann angeblich erreicht werden, indem wir im Winter unsere Wohnungen nur noch halb so warm heizen, viel weniger Auto fahren, 50% weniger Strom konsumieren. Im 'Grossen Kanton' wird uns vor Augen geführt, wie man eine blühende Wirtschaft zum Erliegen bringt dank neomarxistischer Diktatur.

Das Dumme am ganzen ist, dass die Postkunden nun - staatlich verordnet - mehr Autofahrten absolvieren müssen. Die KMU der Randregionen können es sich nicht leisten, dass ihre Pakete liegenbleiben. Das ist schlecht für die Existenz und die Wirtschaft. Direktzahlungen für post-sabotierte KMU sind nicht vorgesehen. Gleichzeitig - und das ist wirklich krank - heftet sich die POST stolz ein Klimalabel an die Brust. Logisch: Die POST fährt weniger und rettet angeblich die Umwelt, weil der einzelne Postkunde mehr fährt. Umweltschutz und Klimawandel wegen CO₂ - so es ihn denn wirklich gibt - interessieren die Regierung nicht einmal ansatzweise - schliesslich müssen sie das Steuerkässeli füllen und damit ihren Arbeitsplatz finanzieren. Uns Individuen kann man dann ein schlechtes Gewissen einreden und noch mehr Steuern dafür erheben.

Beispiel Nr 3:

Kehrt man nach seiner Mittagspause an sein Domizil zurück, findet man eine Abholungseinladung der POST vor. Das (dringend) erwartete Paket kann man

- am Folgetag!
- selber!
- im Nachbardorf!
- abholen!
(Dienstag nachmittag geschlossen, nicht vergessen)

Es nützt dem Postkunden nichts, wenn der Hausservice um 12:30 versucht eine Sendung gegen Unterschrift zuzustellen: Es ist schlicht niemand anwesend, oder man ist nicht abkömmlich. Wir können uns keinen Boy leisten, der neben dem Türpfosten Wache steht und auf den Briefboten wartet. Die Schweizer Mittagspause ist circa auf die Zeit zwischen 12 und 13 Uhr festgelegt: Dieser Fakt wäre auch Postleitung und Landesregierung zugänglich.

Beispiel Nr 4:

Das Porto von Standard- und Midibriefen Inland kostet 1.- / 0,85 / 1,30 / 1,10. Der Briefbote hat schon gar keine Marken mehr bei sich - man kann sie aber bei ihm bestellen und hoffen, dass man dann zu Hause ist, wenn er liefert und einkassieren will. Oder man besorgt sich die Marken in einer Postfiliale: Dort hat man die Werte 1.- und 0,85 vorrätig. Andere Werte hätte man nicht, damit man die Lagerhaltung nicht aufblähen müsse. Dabei könnte man mit der Vorhaltung von drei (statt bisher zwei) verschiedenen Werten gleich alle 8 Inland-Briefporti abdecken. Mit 50% mehr Aufwand könnten so 400% Leistung erzielt werden.

Beispiel Nr 5:

Es ist Montag der 7. Januar 2019. Um 14.25 Uhr klingelt der Postbote. Er befindet sich noch immer auf der Morgentour. "Was für ein Glück" - denke ich, "endlich bin ich mal abkömmlich, wenn der Bote was gegen Unterschrift abgeben muss". Doch der wahre Grund seines Besuchs: Er muss die Stromzähler in den Haushalten ablesen. Dadurch verzögert sich seine Herzinfarkttour noch unerträglicher. Vermutlich bekommen die Postchefs Geld von den Stromwerken für diesen Service, der keiner ist. Sammelt an solchen Tagen das EKS die Briefe und Pakete ein? Die Post verkauft schwarze Socken, die Landi verkauft keine Siloanstrichfarbe, dafür Motorräder, Computer und Billiardtische, der Computerfachmann handelt mit Gummistiefeln und Mistgabeln, der Bäcker verhökert auch Versicherungen - und der Automech putzt bei einem 1'000-fränkigen Service das staubbeschwerte Cockpit nicht mehr.

Es geht der Landesregierung gar nicht um Service Public, sondern einzig und allein um Einnahmen. Notfalls zu Lasten der Postkundschaft. Mit diesen Einnahmen finanziert sie sich selbst. Das Volk ist egal und stört. "Ist das Geld oder kann das weg?"

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Die Schweiz ist (auch) durch Dienstleistung gross geworden - durch Hochnäsigkeit und die Gier der Führung fällt sie wieder in sich zusammen und wird links und rechts überholt.
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Es stimmt nachdenklich, dass man dermassen simple Vorgänge einem Bundesrat und der Postleitung immer und immer wieder – über Jahre – intensiv erklären muss; und doch passiert nichts. Warum brechen Postleitung und Bundesrat der Wirtschaft bewusst und mit Vorsatz das Rückgrat? Das muss Bundesbern nicht stören: Deren Gehälter kommen automatisch.

Es kann nicht sein, dass die Bevölkerung die allerkleinsten überhaupt nur denkbaren verproblemisierten Vorgänge nun jedesmal mittels Demonstration und Petition einer vollkommen ignoranten und weltfremden Obrigkeit vortragen muss. Dies zerstört Ressourcen.

Ich wollte vom zuständigen Regierungsrat wissen, wer sich für diese Probleme einsetzt, da ich der Annahme war, es müsste für einen Randkanton von brennendem Interesse sein, wenn er von Bundesbetrieben stark benachteiligt wird. Hier die Antwort (gekürzt) aus dem Departement:

"Wir sind Ihrer Frage nachgegangen. Seitens des Kantons wurden die möglichen Schritte unternommen. Es liegt an der Gemeinde, sich für einen möglichst guten Post-Service einzusetzen."

Laut Auskunft eines Kantonsrats liegt die Verantwortung allerdings nicht bei den Gemeinden, sondern beim Regierungsrat. Ausser Lohnbezugskompetenz scheint es in diesem Kanton keine weiteren Zuständigkeiten zu geben.

Wer aufmerksam hinschaut, weiss: Weder Kanton noch Gemeinden nutzen die Kompetenzen bzw. Scheinkompetenzen - es bleibt schliesslich der Bevölkerung überlassen, wie sie sich mit einem immer schlechter werdenden Postangebot arrangieren.

Schade: Früher war es eine Selbstverständlichkeit, dass der Bund sich für leistungsfähige Strukturen einsetzt. Heute hat man mehr und mehr den Eindruck, der Bund sauge diese Strukturen aus.

Natürlich erwartet die Bevölkerung einen jederzeit reibungslos funktionierenden Staat. Das hat seinen Preis, was fast jedem klar ist. Wenn Leistungen abgebaut werden, Preise aber eher steigen, dann ist die Toleranz der Bevölkerung am Ende.

Es war abzusehen, dass die Einnahmen aus den Treibstoffzöllen sinken würden. Kompensiert der Bund dies mit dem Abbau des Service Public bei der Post? Und wo wird sonst noch überall abgebaut?


Deshalb rufen wir zur Demo auf:

Wir wehren uns gegen die unsinnige und destruktive Aushöhlung systemrelevanter Strukturen.

Muss die Landbevölkerung wirklich auch noch dafür besorgt sein, dass der Bundesrat das Postwesen nicht vom Funktionieren abhält? Gibt es in diesem Lande noch etwas anderes als reine Lohnbezugskompetenz?

Müssen wir die Prio-Pakete wirklich eigenhändig in die Kantonshauptstadt karren?

Müssen wir tatsächlich eine Bürger-POST aufbauen für diejenigen Bereiche, in welcher die Schweizerische POST uns alle sabotiert?

 

update 24. Mai 2019



 
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